Dr.-Ing. Jürgen Michel, Maschinenbauingenieur von der RWTH Aachen, hat Jahrzehnte in der Automobil- und Luftfahrtbranche verbracht, mit einem Höchstmaß an Expertise in Produktionsmanagement, Unternehmensführung und Interim Management. Ein Mann, der weiß, wie Unternehmen funktionieren: von der Werkshalle bis zum Vorstandstisch.
Rainer Hetzer ist Volljurist und war unter anderem in der Geschäftsleitung und Personalleitung der Continental AG tätig. Aufsichtsrat, Unternehmensberatung, Gründer-Mentoring. Er hat Tausende Bewerbungen gesehen. Und weiß, was den Unterschied macht.
Bei Kunzmann stehen sie einmal mehr mitten unter Jugendlichen, die noch nicht wissen, wohin der Weg führt. Dabei bringen sie mit, was im Schulalltag selten vorhanden ist: Jahrzehnte gelebter Berufserfahrung. Und die Bereitschaft, sie zu teilen: direkt, nahbar, ohne Schönfärberei.
Dass Kunzmann solche Gesprächspartner für KickStart gewinnen konnte, ist kein Zufall. Es ist ein Zeichen dafür, wie ernst das Format gemeint ist.
Herr Hetzer, Herr Michel — Sie haben KickStart direkt vor Ort erlebt. Was hat das Format aus Ihrer Sicht besonders gemacht?
Rainer Hetzer: Mir hat das Format sehr gut gefallen. Im Autohaus erreichen wir mehr
Schülerinnen und Schüler als in einem klassischen Klassenraum. Gleichzeitig war die Atmosphäre
offener, lockerer. Die Jugendlichen kamen in kleinen Gruppen, es wurde geredet, getuschelt,
gelacht. Allein dadurch bekommt man auch mehr von ihrer Persönlichkeit mit.
Dr. Jürgen Michel: Ich habe das ähnlich erlebt. Es war deutlich informeller als in der Schule. Was nicht unkonzentrierter bedeutet! Besonders spannend fand ich, wie sich Gruppen gebildet haben, wie Aufgaben verteilt wurden, wie die Jugendlichen miteinander interagiert haben. Diese Art der Zusammenarbeit fand ich sehr positiv.
Und das Zusammenspiel mit dem Kunzmann-Team?
Hetzer: Das war eine echte Co-Produktion. Das Team vor Ort und die Auszubildenden haben uns die Arbeit leicht gemacht. Genau dieses Miteinander hat das Format stark gemacht.
Hetzer: Ja. Wir stellen fest, dass es in der komplexer werdenden Welt ein Überangebot und einen Informationsüberfluss gibt. Dazu kommt der Fachkräftemangel: Viele Unternehmen sprechen dieselben jungen Menschen an. Und Social Media verstärkt die Verwirrung teilweise noch. Schlichtweg, weil Berufsbilder dort oft verzerrt dargestellt werden.
Michel: Wir wollen Orientierung geben und die Schülerinnen und Schüler anleiten, selbst aktiv zu werden. Herauszufinden: Was will ich? Was kann ich? Wofür brenne ich? Denn wofür ich brenne, dafür bringe ich auch Leistungsbereitschaft mit.
Hetzer: Praktika spielen dabei eine wichtige Rolle. (...) auch dann, wenn sie zunächst zeigen, was nicht passt. Wenn jemand mehrere Praktika macht und merkt: Das ist alles nichts für mich, dann ist auch das ein Ergebnis. Dann weiß man zumindest, was man nicht will.
Nicht alle Jugendlichen starten mit denselben Voraussetzungen. Welche Rolle spielt das Elternhaus?
Michel: Das Bild ist sehr differenziert. Es gibt Eltern, die sehr intensiv unterstützen. Und es gibt Eltern, die sich mit den Spielregeln des Bewerbungsprozesses nicht gut auskennen oder ihre Kinder kaum begleiten können. Man kann das nicht über einen Kamm scheren. Aber insgesamt sehe ich, dass das Interesse vieler Eltern zurückgeht. Gerade deshalb können externe Impulse so wertvoll sein.
Hetzer: Lehrkräfte haben zwar den Auftrag, Berufsorientierung zu vermitteln; aber oft fehlt ihnen die eigene Praxisnähe. Wir können mit unserer Berufserfahrung, mit echten Beispielen und Anekdoten aus der Arbeitswelt ergänzen. Wenn jemand von außen kommt, hat das für die Jugendlichen oft ein anderes Gewicht.
Hetzer: Die Bewerbungsunterlage ist der Türöffner. Ohne überzeugende Unterlagen komme ich gar nicht erst ins Gespräch. Aber wenn ich dann die Chance habe, durch die Tür zu gehen, zählt der persönliche Auftritt. Auftreten, Selbstpräsentation, Körpersprache, Authentizität.
Michel: Ich habe oft den umgekehrten Fall erlebt: sehr gute Unterlagen. Und dann bricht es im Gespräch auseinander. Deshalb ist es so wichtig, dass beides zusammenpasst. Die Unterlagen dürfen nicht mehr versprechen, als die Person im Gespräch halten kann.
Dr.-Ing. Jürgen Michel studierte Maschinenbau an der RWTH Aachen und war über Jahrzehnte in Produktionsmanagement, Unternehmensführung, Beratung und Interim Management tätig - mit tiefgreifender Erfahrung in der Automobil- und Luftfahrtbranche. Seine Schwerpunkte: Lean Production, Projektmanagement, Führung. Heute gibt er dieses Wissen als Mitglied der AktivSenioren Bayern e. V. weiter.
Rainer Hetzer ist Vollurist und blickt auf eine Karriere in höchsten Führungspositionen zurück - darunter die Geschäftsleitung und Personalleitung der Continental AG. Strategieentwicklung, Organisationstransformation, M&A, Gründer-Mentoring: Hetzer hat Unternehmen in entscheidennden Momenten begleitet. Heute engagiert er sich bei den AktvSenioren Bayern e.V. - als Sparringspartner für Unternehmen ebenso wie in der Berufsausbildung junger Menschen.